

Nach Jahrzehnten im Einsatz kann es schonmal sein, dass sich auch ein Bauteil wie der Krümmer
verzieht. Nach 76 Jahren -wie bei meinem Champion - kann das passieren. Unschön war, dass man
dort eine wenig fachmännische Abdichtung versucht hatte, in dem man eine Art Kitt um die Anschlüsse verteilt hatte.
Wenn man ihn berührte, fing er an zu bröseln. Da hatte ich wenig Vertrauen in die Dichtigkeit.
Und man konnte es bereits hören!

Ein Anblick, der vermutlich bei jedem Champion Besitzer körperlich Schmerzen verursacht.
Also habe ich den Händler in Colorado angeschrieben, was in dem Champion denn noch vorhanden ist, vor allem interessierte mich natürlich der Krümmer.
Den Versuch, in Deutschland ein Ersatzteil zu bekommen, habe ich relativ schnell
aufgegeben. Aufgrund dieser Feststellung ist bei mir schnell die Idee entstanden,
mir auch einen guten Ersatzteilbestand zu beschaffen, am besten doppelt.
Den Schwerpunkt der Beschaffung habe ich dann natürlich auf den Markt in den USA legen müssen.
Ich habe dann Möglichkeiten gefunden - mit einer amerikanische Post/Paketadresse -
zumindest die Bandbreite der Lieferanten zu erhöhen. Genaueres dazu noch unter dem
Punkt "Ersatzteile". Wie dem auch sei, ich habe dann zunächst mal die bekannten drei
Lieferanten Studebaker International, Studebaker Parts.com(sehr nett: Russ und Sharon) und
mystudebaker.com angefragt.
Natürlich hatte niemand einen Krümmer.
Dann fand ich bei Ebay USA folgendes:
Tatsächlich war der Krümmer noch vorhanden:
Zugegebenermaßen sieht dieser Krümmer schlimmer aus, als der in meinem Champion verbaute.
Aber vielleicht ist er plan? Also habe ich den Händler vorsichtig gefragt, ob er den Krümmer ausbauen
und mal schauen kann. Ich habe dann kurz das Lichtspaltverfahren erklärt. Der Händler hat
mal eine Wasserwaage auf den Krümmer gelegt und dann gegen das Licht fotografiert. Das Foto habe
ich leider nicht mehr - aber das Ergebnis war vielversprechend.
Für 350€ inklusive Versand hat er ihn mir nach Deutschland gesendet.
Wahrlich kein Schnäppchen, aber diese Art Teile sind mittlerweile auch in den USA rar.
Zwei Wochen später war er dann da.
Prima: Ein Stehbolzen ist offenbar durch den
Transport abgebrochen, alle anderen sehen auch
nicht vertrauenswürdig aus.
Aber ziemlich plan ist er - besser als der vorhandene!
Manche Dinge kann man ja auch nicht mehr selber machen. Ich jedenfalls nicht. Ich kann hier nicht sandstrahlen,
ich kann hier nicht planen und - vermutlich hätte ich den abgebrochenen Stehbolzen auch nicht entfernen können,
geschweige denn vier davon.
Also habe ich hier Kontakt zu einem regionalen Spezialisten aufgenommen:
in Leopoldshöhe. Das Unternehmen hat eine extra Abteilung für die Restauration von historischen
Motoren, aber auch zu diesen Arbeiten war man bereit.
Also wurde der Krümmer dort gestrahlt, geplant und die Stehbolzen wurden erneuert.
Das Heat Riser Ventil habe ich zuvor ausgebaut, dazu komme ich gleich noch.
Nach zwei weiteren Wochen hatte ich ihn wieder und war noch 350€ ärmer. Ich habe ihn dann mit Keramik Lack beschichtet und den wiederum mit einem Heißluftfön eingebrannt, damit er auch benzinfest ist. Mit dem Ergebnis bin ich wirklich mehr als zufrieden, auch wenn der ganze Spaß zusammen dann 700,-€ gekostet hat.
Während der Krümmer zum Strahlen und Planen war, habe ich mich mit dem Heat Riser Valve
auseinander gesetzt. Erstmal zur Erklärung was dieses Bauteil macht:
Grob beschrieben ist es eine Klappe im Auslass des Krümmers, der beim Kaltstart die warmen Abgase zur weiteren Vorwärmung der Einlasskanäle verwendet. Es soll also das Kaltstartverhalten verbessern. Die Klappe hängt an einer Achse mit einem Kontergewicht und einer Bi-Metall Spirale. Im kalten Zustand hält die Bi-Metall Spirale die Klappe so, dass die
Klappe im Krümmer geschlossen bleibt. Die Abgase wärmen den Einlass. Mit zunehmender Motorwärme reduziert sich die Spannung der Bi-Metall Feder solange, bis das Kontergewicht die Klappe in den geöffneten Zustand bewegt.
Hier ein Video des alten Heat Risers, dort kann man die Funktion sehen:
Also habe ich bei Studebaker International ein Reparatur-Set des Heat Risers bestellt.
Leider ist das Set nicht mehr vollständig, dass sieht man im Shop aber nicht.
Es fehlt nämlich leider die Bi-Metall Feder - und diese gibt es aktuell nirgendwo.
Not macht erfinderisch - ein Motto, dass insbesondere als deutscher Studebaker
Besitzer mittlerweile eine Maxime geworden ist.
Ich fand eine Bi-Metall Feder von Chevy Motoren aus dieser Zeit, die das genau so gut macht.
Vor Zusammenbau nicht vergessen: Mit hochtemperaturbeständigem Fett die Achse
des Heatriser einfetten!
So hatte ich dann alles zusammen und konnte dann auch einen Test mit Heissluftfön
durchführen, ob der Heat Riser auch seinen Zweck erfüllt:
Heat Riser Simulation Motor wird warm
Heat Riser Simulation Motor kühlt wieder ab
© Alle Rechte vorbehalten